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„Südamerikas Zukunft wird eine größere sein als die seines Nordamerikanischen Zwillingsbruders.

Das Bild der Menschheit wird in den südamerikanischen Paradiesen zur harmonischen Vollendung gelangen, Ein glückliches Geschlecht wird dort leben, ausruhen von Kampf und Irren, und auf dem jetzigen, im Sturm erstarkten sozialen Stamme werden sich die Blütenkronen der sittlichen und oberflächlichen Menschenbildung von ihm aus weit über den Erdkreis niedersenken.

Man findet in den Hochebenen und Thälern der Anden auf ihrer ganzen Länge Gegenden, die dem Auswanderer ein gesundes Alpenklima bieten, aber dafür fehlen ihnen alle andern Bedingungen eines leichten Verkehrs und einer freien Entwicklung. Jenseits des 38. Breitengrades, mit Ausnahme der Südprovinz von La Plata und Chile, halte ich eine deutsche Kolonisation für gefährlich.

Es mögen Einzelne in tropischen Zonen mit Vorteil arbeiten, Handelskolonien mögen gedeihen; aber der ackerbauende Germane, jedem Einfluss der Elemente ausgesetzt, kann nur mit äußerster Vorsicht aus den gemäßigten Breiten vorschreiten.

Er muss beginnen, wo er eine ähnliche Luft atmet wie im Vaterlande, wo er die Nahrungsmittel der Heimat baut, wo ein ähnliches Landschaftsbild ihm die Erinnerung der verlassenen Heimat als Trösterin sendet.

Die deutsche Pflanze will nicht gedeihen, wo die Palme wächst.

So bleibt uns denn nur noch ein Land, der Freistaat Chile übrig, an dem wir die Möglichkeit der Gründung deutscher Kolonien suchen können, und, wie ich darzutun hoffe, auch finden werden.“

Alexander Simon, 1849:  Die Auswanderung der Demokraten und Proletarier und deutsch-nationale Kolonisation des südamerikanischen Freistaates Chile."